»The Last Generation« | Limitierte Edition #1
»The Last Generation« | Tim Ra
Obwohl fotorealistisch in der Ausführung, beschwört »The Last Generation« jene fantastischen und allegorischen Elemente herauf, die an Hieronymus Boschs surreale Darstellungen der moralischen und existenziellen Kämpfe der Menschheit erinnern. Boschs Werk mit seinen vielgestaltigen, chaotischen Szenen menschlicher Torheit und göttlicher Vergeltung bietet eine treffende Parallele zu den Krisen der Gegenwart.
Die zunehmende Häufigkeit von Fluten und anderen Klimakatastrophen, so verheerend sie ist, rührt an weit tiefere Schichten. Die Flut ist ein archetypisches Symbol der ältesten Erzählungen der Menschheit, vom Gilgamesch-Epos bis zur Sintflut der Bibel — Parabeln, die vor Hybris und Dekadenz warnen und vom fragilen Verhältnis des Menschen zur Natur erzählen.
Bemerkenswerterweise wird die Flut-Metapher über das gesamte politische Spektrum hinweg eingesetzt. Links steht die wissenschaftliche Realität des Klimawandels im Zentrum, erweitert um metaphorische Fluten wie den Aufstieg des Rechtspopulismus und seiner Rhetorik. Rechts beschreibt der Begriff Migrationsbewegungen, die als Bedrohung kultureller und ökonomischer Stabilität gerahmt werden, oder den wachsenden Einfluss progressiver Ideen, die traditionelle Werte zu überschwemmen scheinen. Beide Verwendungen transportieren dasselbe Gefühl existenzieller Überflutung — überwältigt zu werden von Kräften jenseits der eigenen Kontrolle, seien sie natürlich oder gesellschaftlich.
Apokalyptisches Denken findet sich auf allen Seiten des politischen Spektrums. Die Warnungen der Umweltbewegung vor dem ökologischen Kollaps, so sehr sie auf wissenschaftlicher Evidenz gründen, spiegeln die rechten Erzählungen vom gesellschaftlichen und ökonomischen Zusammenbruch. Jede Seite sieht in der anderen den Vorboten von Chaos und Unordnung — ein sich gegenseitig verstärkender Kreislauf aus Angst und Schuldzuweisung, der sich während der Corona-Pandemie noch einmal zuspitzte.
In meiner persönlichen Erfahrung gleichen sich Gruppen, die sich als Rationalisten verstehen, und jene, die als »Verrückte« abgetan werden, auf verblüffende Weise: Beide bewohnen dieselbe emotionale Landschaft aus Angst und Zorn, getrieben von der Wahrnehmung einer Welt am Abgrund. Diese Erkenntnis führte mich zu einer biografischen Entscheidung — mich von diesen polarisierenden Emotionen abzuwenden und stattdessen ein Energiefeld aus Hoffnung, Freude und Humor zu kultivieren: eine bewusste Absage an die binäre Logik des apokalyptischen Denkens.
Kaufen — 400 € · Auflage von sieben
5 / 7 verfügbar
Fragen, oder Wunsch nach einer bestimmten Nummer? Schreib uns.