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DREAM 06: Venuswald
DREAM

DREAM 06: Venuswald

27|06|2026 Lovelab Dreamspace

Opened 27. June 2026

Wir träumen vom Weltfrieden. Es ist einer der ältesten Träume der Menschheit — und einer der meistbelächelten. DREAM 6 nimmt ihn beim Wort. Mit Werken von Lavanya Honeyseeda & Tim Ra.

Im Zentrum der Ausstellung steht ein Re-Enactment von Sandro Botticellis »Venus und Mars« (um 1485). Lavanya Honeyseeda und Tim Ra übertragen den Renaissance-Klassiker in die Gegenwart. Mars hat sich im Venuswald verirrt und schläft. Frivole Satyrn machen das Kriegsgerät des Mars zum Spielzeug, während Venus wacht — nicht als sanfte Friedensgöttin, sondern als Herrin einer lebendigen Welt, deren Kraft größer ist als jede Armee. Schon Botticellis Gemälde erzählt von der Überwindung des Krieges durch die Liebe. Das Re-Enactment führt diesen Gedanken weiter und verwandelt den Venusgarten in einen ungezähmten Wald.

Die Ordnung des Originals wird dabei verschoben. Botticellis helle, entrückte Venus wird zur dunkelhäutigen Friedensbotschafterin Lakhura, verkörpert von der indisch-deutschen Künstlerin Lavanya Honeyseeda. Sie begegnet dem Betrachter mit ruhigem, unmittelbarem Blick. Tim Ra erscheint als Mars — nicht als triumphierender Kriegsgott, sondern als Schlafender, Entwaffneter und Verletzlicher. Auch die Satyrn sind bewusst mit unterschiedlichen Hautfarben besetzt. So entsteht kein historisches Zitat, sondern ein zeitgenössisches Bild einer pluralen Menschheit.

Sandro Botticelli: Venus und Mars
Venus und Mars | Sandro Botticelli, um 1485

Als Lakhura kanalisiert Honeyseeda die heilende Kraft der Venus. Sie hält den Raum, in dem Mars zur Ruhe kommt. Frieden erscheint hier nicht als Sieg über einen Feind, sondern als die Fähigkeit, der Gewalt ihre Logik zu entziehen. Der Venuswald wird so zum Sinnbild einer Ordnung, die nicht auf Herrschaft gründet, sondern auf Beziehung und Verbundenheit.

Zentrale Protagonisten des Bildes sind jedoch die Satyrn. Sie lachen und spielen, entwenden die Waffen des Kriegsgottes und entfremden sie ihrem Zweck. Genau darin liegt auch die künstlerische Geste dieser Arbeit: Der Kanon wird nicht verworfen, sondern spielerisch angeeignet. Im antiken Theater folgte auf die Tragödie das Satyrspiel — ein derbes Nachspiel, das die Spannung in Gelächter löste. Der Tragödie des Krieges wird hier das Satyrspiel entgegengesetzt. Nicht Gegengewalt beendet den Krieg, sondern seine Entzauberung: Wo Waffen zu Spielzeug werden, verlieren sie ihre mythische Macht.

»Symposion«

Auf einer Lichtung im Venuswald hat sich eine Gesellschaft zum Picknick niedergelassen. Neun Gestalten sitzen im saftigen Gras: manche ganz Mensch, andere mit gebogenen Hörnern, Ziegenohren oder Fell — Satyrn, Faune und Elfen. Fast alle blicken den Betrachter unmittelbar an; zwei von ihnen heben ihre Schalen, als gälte ihr Trinkspruch uns. »Symposion« bezeichnet im Griechischen das gemeinsame Trinkgelage; in Platons gleichnamigem Dialog wird über Eros gesprochen. Frieden erscheint hier als gelebte Gastfreundschaft — das erhobene Glas ist das Gegenbild zur erhobenen Waffe.

»Venus Matinee«

Innerhalb von »Venuswald« markiert der Videoclip »Venus Matinee« den Übergang vom Mythos zur Institution: Er fragt, wie eine Zivilisation aussehen könnte, die auf den Prinzipien des Venuswalds gründet. Ein Videostill der Arbeit — »Der Kuss« — ist derzeit in der Staatsbibliothek zu Berlin zu sehen.

Events in this Dream

27|06|2026

Vernissage »Venuswald«

Weltfriedenskonferenz-Doku, Lakhura-Performance und neue Werke — die Eröffnung von DREAM 06.